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Geschichte des Hörbuchs: Von der Ein-Wort-Aufnahme bis zum 3000-Vornamen-Hörspiel

Kolumne von René R. Wagner

Es begann mit einem „Hallo“ – dieses Wort sprach Thomas Alva Edison am 18. Juli 1877, freilich auf Englisch, in einen trichterförmigen Apparat und schuf so die weltweit erste „direkte“ Tonaufnahme des gesprochenen Wortes, die sich auch unmittelbar danach abspielen ließ. Und so lässt sich diese Aufnahme in gewisser Weise als allerkleinstes aller Mini-Hörbücher bezeichnen.

Okay, es gab schon vorher eine Tonaufnahme, aber die war kein Mini-Hörbuch, sondern ein Lied. Und damit beginnen wir unseren Zeitstrahl voller spannender Meilensteine in der Geschichte des Hörbuchs:

1857

Die älteste bekannte Tonaufnahme schuf der französische Tüftler Edouard-Léon Scott de Martinville: Sein „Phonoautograf“ nahm Klänge mit einem großen Trichter auf und übertrug die Schwingungen mit einer Membran auf eine Schweineborste – ohne sie allerdings direkt abspielen zu können. US-Forschern gelang es, eine Aufzeichnung des französischen Kinderliedes „Au Clair de la Lune“ (1860), gesungen von einer Frau, wieder hörbar zu machen. Hier können Sie die ersten Tonaufnahmen hören: https://www.swr.de/swr2/wissen/archivradio/aeltestes-tondokument-der-menschheit-au-claire-de-la-lune-100.html

1877

Edison nimmt „Mary had a little lamb“ auf seinem Phonographen auf. Als er seine eigene Stimme auf dem Tonträger hörte, musste er selbst laut lachen. Wahrscheinlich konnte er nicht einmal ansatzweise erahnen, welche Zukunft sich mit Tonaufnahmen eröffnen würde.

1887

Emil Berliner meldet beim Kaiserlichen Patentamt sein „Verfahren und Apparat für das Registrieren und Wiederhervorbringen von Tönen“ an. Im Gegensatz zu Edisons Phonographen konnte man auf dem Grammophon die Tonträger wechseln. Die ersten Platten waren aus Zinkblech.

1889

Gründung des ältesten audiovisuellen Archivs der Welt (Phonogramm-Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) – www.phonogrammarchiv.at

1895

Die erste Schellackplatte kommt auf den Markt. Sie besteht aus Ruß, Gesteinsmehl, Pflanzenfett – und Schellack.

1900

Gründung des umfangreichsten Schallarchivs der Welt: Berliner Phonogramm-Archiv

1900

Das erste arbeitsfähige Ton-„Band“-Gerät, das Telegraphon des Dänen Valdemar Poulsen, wird auf der Pariser Weltausstellung vorgestellt.

1920

Gründung des Laut- und Stimmarchivs – seit 1999 als Weltkulturerbe in das UNESCO-Weltregister „Memory of the Words“ aufgenommen.

1922

Erstes Radiohörspiel wird am 3. August 1922 in den USA ausgestrahlt (Sender WGY, New York): die Funkfassung des Theaterstücks „The Wolf“ von Eugen Walter.

1923

Erste Radio-Lesung in Deutschland am 3.11.1923: „Das Seegespenst“ von Heine – in der Radiostunde AG Berlin.

1924

Erstes Radio-Hörspiel in Deutschland am 24.10.1924 über Welle 467: „Zauberei auf dem Sender“ von Hans Flesch.

1926

Einführung der elektrischen Mikrofonaufnahme

1930

Erstmals Einsatz von O-Tönen und Geräuschen auf Schallplatten (im Hörspiel „Straßenmann“ von Hermann Kesser), dann auch erste vollständige Montage aus Geräuschen, Musikfetzen und Sprachpartikeln („Weekend“ von Walter Ruttmann, Aufzeichnung auf Tonfilmstreifen).

1931

Der US-Kongress initiiert die Entwicklung eines „Readaphon“ für Sehbehinderte, um den Zugang zu Literatur zu vereinfachen.

1935

Erstes Verfahren der AEG Magnetophon für Hörkassetten.

1937

Der erste dynamische Kopfhörer wird bei Beyerdynamics in Berlin entwickelt.

1938

Das wirkungsvollste Hörspiel aller Zeiten: Orson Welles‘ „Krieg der Welten“ läuft im Radio und begeistert und schockiert zugleich.

1952

Deutsches Rundfunkarchiv (DRA) mit Sammlungsbestand seit 1888 (ca. 130.000 Schellackplatten, 250.000 Vinylplatten, 200.000 CDs, 900 Edison-Zylinder, 2000 Schallfolien u.a.)

1952

Erstes Hörbuch nach dem Zweiten Weltkrieg: „A Christmas in Wales“ von Dylan Thomas

1954

Mit der Veröffentlichung von „Faust I“ 1954 und „Faust II“ 1959 der Deutschen Grammophon (auf schwarzen LPs) wird der Begriff „Hörbuch“ zum ersten Mal gebraucht.

1963

Erste Compact-Kassette von Philips kommt auf den Markt.

1972

Deutsches Phono-Museum wird gegründet (Entwicklung der mechanischen Tonband-Aufzeichnung von 1877 bis heute).

1973

Erstes Hörspiel in Kunstkopf-Stereophonie am 3. Oktober: „Demolition“ von Alfred Besler (RIAS, BR, WDR)

1978

Gründung der „Edition Schumm Sprechende Bücher“ mit 250 Titeln (ältester deutscher unabhängiger Hörbuchverlag), heute bekannt als „steinbach sprechende bücher“

1979

In Tokio wird der erste tragbare Kassettenspieler der Welt vorgestellt, der Sony Walkman.

1982

Sony bringt den ersten stationären CD-Player auf den Markt, zwei Jahre später das erste tragbare Gerät (Discman).

1983

Veröffentlichung der ersten CD in Deutschland

1987

Das Frankfurter Fraunhofer-Institut entwickelt ein Audio-Komprimierungs-Verfahren, das unter dem Namen MP3 bekannt wird. Als sein Erfinder gilt Karlheinz Brandenburg.

1993

Gründung der Initiative Wortcassette (IWC) zur Belebung des Hörbuchmarktes.

1998

Diamond Multimedia bringt den ersten MP3-Player auf den Markt.

1999

Erstes Radio-Hörspiel in Surround-Technik: „Torn – Zerrissen“ von John King (SWR)

1999

„Harry Potter“-Hörbücher läuten den Hörbuch-Boom in Deutschland ein.

2000

Erstes Hörbuchforum auf der Leipziger Buchmesse

2002

Gründung des Deutschen Hörbuchpreises mit sieben Preiskategorien – https://www.deutscher-hoerbuchpreis.de/

2006

Erste Verlage bringen DAISY-Hörbücher für Sehbehinderte heraus.

ab 2004

Mit Soforthoeren.de von Diderot Media startet in Deutschland das erste Downloadportal für Hörbücher. Viele weitere Anbieter folgen, darunter auch Audible.de, das größte Hörbuchdownloadportal der Welt.

ab 2008

Immer mehr regionale Hör-Festivals bringen tausende Hörbuch-Fans zusammen.

2009

Die nächste Weiterentwicklung des Mediums kommt vom Bremer Audiospezialisten Indi-Audio: Personalisierte Hörbücher – unter der Marke Mawinti auch speziell für Kinder – machen erzählte Geschichten so lebendig wie noch nie. Erzählkonstruktionen mit mehr als 3000 Vornamen ermöglichen über 90 Millionen Kombinationen. Probieren Sie es aus!

2022

Noch einmal Indi-Audio: Mittlerweile lässt sich nahezu jede Form von Audiomaterial in bestehende Produktionen integrieren. Die Technik wird auch anderen Anbietern zur Verfügung gestellt: Mit dem System können Verlage ihre Kunden mit besonderen Extras überraschen – über alle Plattformen, stationär wie auch digital.

2022

Die automatische Integration von Grußbotschaften wird bei den Kunden immer beliebter. Jetzt können Freunde und Verwandte, die einem Kind eine Freude machen wollen, bei der Bestellung mit nur zwei Klicks – auch vom Smartphone aus – einen Grußtext per Sprache aufnehmen, der dem Hörbuch hinzugefügt wird.

Sogar Mawinti selbst wirkt mit: Auf Wunsch liest der beliebte Schauspieler Patrick Bach persönlich einen Grußtext mit der Stimme des lustigen Kobolds ein und sorgt so bei den jungen Hörerinnen und Hörern für eine ganz besondere Überraschung.

Mehr über die Möglichkeiten der Personalisierung und Gruß-Integration lesen Sie hier: https://www.indi-audio.de/wenn-silas-als-kobold-dich-persoenlich-begruesst/undefined

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